
Weniger Risiko, niedrigere Quote — aber mehr Schlaf. Nicht jeder Sportwetten-Spieler sucht die höchste Quote und den maximalen Gewinn. Manche wollen Sicherheit: eine Wette, die nicht bei jedem Gegentor verloren ist, eine Absicherung gegen das frustrierende 0:0, eine Strategie, die den Bankroll schützt, statt ihn zu maximieren.
Doppelte Chance und Draw No Bet sind die beiden klassischen Sicherheitswetten im Fußball. Beide reduzieren das Verlustrisiko — auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichen Kosten. Wer versteht, wie sie funktionieren und wann sie sinnvoll sind, erweitert sein Repertoire um Werkzeuge, die bei bestimmten Spielkonstellationen deutlich besser funktionieren als eine reine 1X2-Wette.
Doppelte Chance: Zwei von drei Ausgängen abdecken
Die Doppelte Chance deckt zwei der drei möglichen Ausgänge ab: Heimsieg oder Unentschieden (1X), Auswärtssieg oder Unentschieden (X2), oder Heimsieg oder Auswärtssieg (12). Die Wette gewinnt, wenn einer der beiden gewählten Ausgänge eintritt, und verliert nur bei dem einen nicht abgedeckten Ergebnis.
Ein konkretes Beispiel: Dortmund spielt auswärts bei Freiburg. Die 1X2-Quoten: 2,80 (Heimsieg Freiburg) / 3,50 (Unentschieden) / 2,40 (Auswärtssieg Dortmund). Du glaubst, dass Dortmund nicht verliert, bist dir aber nicht sicher, ob sie gewinnen. Die Doppelte Chance X2 (Unentschieden oder Dortmund) bietet eine Quote von rund 1,45. Die Wette gewinnt bei zwei von drei Ausgängen und verliert nur, wenn Freiburg gewinnt.
Die Mathematik dahinter: Die implizite Wahrscheinlichkeit von X2 ergibt sich aus der Addition der Einzelwahrscheinlichkeiten für X und 2, bereinigt um die Marge. Bei Quoten von 3,50 (X) und 2,40 (2) liegen die impliziten Einzelwahrscheinlichkeiten bei 28,6 % und 41,7 % — zusammen 70,3 %. Die Quote von 1,45 impliziert 68,9 %, was zeigt, dass der Buchmacher eine zusätzliche Marge auf die Doppelte Chance legt.
Der entscheidende Nachteil: Die Wettsteuer von 5,3 Prozent wirkt bei niedrigen Quoten besonders stark. Bei einer Quote von 1,45 und 10 Euro Einsatz beträgt die Steuer 0,50 Euro. Der potenzielle Gewinn: 14,50 − 10 = 4,50 Euro minus 0,50 = 4,00 Euro netto. Die Steuer frisst 11,1 Prozent des Gewinns. Zum Vergleich: Bei einer Quote von 2,40 auf den Dortmund-Sieg beträgt die Steuer denselben absoluten Betrag, macht aber nur 3,6 Prozent des Gewinns aus. Doppelte Chance ist steuerlich ineffizient — ein Faktor, den viele Spieler ignorieren.
Wann ist die Doppelte Chance trotzdem sinnvoll? Bei Auswärtsspielen starker Teams gegen unangenehme Gegner. Wenn Dortmund bei Freiburg gastiert, liegt die Heimsieg-Wahrscheinlichkeit bei 25 bis 30 Prozent — niedrig genug, um die Doppelte Chance X2 als Absicherung zu rechtfertigen. Bei Heimspielen des Tabellenführers gegen einen Abstiegskandidaten ist die Doppelte Chance dagegen Verschwendung: Die Wahrscheinlichkeit des einzigen Verlust-Szenarios ist so gering, dass die niedrige Quote den Schutz nicht wert ist.
Draw No Bet: Einsatz zurück bei Remis
Draw No Bet — auch Unentschieden keine Wette — funktioniert anders als die Doppelte Chance. Du setzt auf den Sieg eines Teams. Wenn das Team gewinnt, gewinnst du. Wenn es verliert, verlierst du. Wenn das Spiel unentschieden endet, bekommst du deinen Einsatz zurück — ein Push, wie bei der Asian Handicap 0-Linie.
Die Quote bei Draw No Bet liegt zwischen der 1X2-Quote auf den Sieg und der Doppelte-Chance-Quote. Im Dortmund-Beispiel: 1X2 Dortmund-Sieg 2,40, Draw No Bet Dortmund rund 1,75, Doppelte Chance X2 rund 1,45. Die Abstufung spiegelt das abnehmende Risiko wider: Bei 1X2 verlierst du bei Remis und Niederlage, bei Draw No Bet nur bei Niederlage, bei Doppelter Chance gar nicht (solange dein Team nicht verliert).
21,3 Prozent der Sportwetten-Teilnehmer wetten laut DSWV/Civey-Umfrage wegen des Nervenkitzels. Draw No Bet spricht dagegen ein anderes Motiv an: das Sicherheitsbedürfnis. Der Push bei Remis nimmt das frustrierendste Szenario — der Tipp war fast richtig, aber das Tor fiel nicht — aus der Gleichung. Für Spieler, die nach einem 0:0 regelmäßig den Wettschein bereuen, ist Draw No Bet die psychologisch entlastende Alternative.
Der Vergleich mit der Doppelten Chance: Draw No Bet bietet eine höhere Quote als die Doppelte Chance (1,75 vs. 1,45 im Beispiel), hat aber ein höheres Risiko: Bei der Doppelten Chance gewinnst du auch bei Remis, bei Draw No Bet bekommst du nur den Einsatz zurück. Der entscheidende Unterschied: Bei Draw No Bet ist der Einsatz bei Remis nicht verloren — er ist nur gebunden. Bei der Doppelten Chance ist er bei Remis gewonnen. Die Frage lautet also: Wie viel ist dir die Absicherung gegen Remis wert? Wenn die Remis-Wahrscheinlichkeit bei 25 Prozent liegt, ist die Doppelte Chance die bessere Wahl. Bei 20 Prozent kann Draw No Bet die effizientere Option sein.
Wann lohnt sich welche Variante?
Die Wahl zwischen Doppelter Chance, Draw No Bet und reiner 1X2-Wette hängt von drei Faktoren ab: der Remis-Wahrscheinlichkeit, der Quotendifferenz und dem persönlichen Risikoprofil.
Szenario 1 — Hohe Remis-Wahrscheinlichkeit: Wenn beide Teams defensiv stark sind und der Tordurchschnitt unter 2,0 liegt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Remis erhöht — oft über 28 Prozent. In diesem Fall ist die Doppelte Chance die sinnvollste Absicherung, weil das Remis-Szenario zu wahrscheinlich ist, um es unabgesichert zu lassen.
Szenario 2 — Klarer Favorit mit Remis-Risiko: Wenn der Favorit eine 1X2-Quote von unter 1,80 hat, aber auf einem schwierigen Auswärtsplatz spielt, ist Draw No Bet die effizientere Wahl. Die Quote ist höher als bei der Doppelten Chance, und das Remis-Szenario ist seltener als das Favoriten-Sieg-Szenario.
Szenario 3 — Hohe Quote auf den Außenseiter: Wenn du auf einen Außenseiter mit einer Quote über 3,00 setzen willst, ist Draw No Bet die beste Absicherung. Du profitierst vom hohen Gewinn bei einem Sieg und bekommst deinen Einsatz bei Remis zurück. Die 1X2-Wette wäre zu riskant, die Doppelte Chance würde die Quote so stark drücken, dass der potenzielle Gewinn den Aufwand nicht lohnt.
Ein Grundsatz für alle drei Szenarien: Je niedriger die Quote der Sicherheitswette, desto stärker wirkt die Wettsteuer. Bei Quoten unter 1,40 wird die Steuer zum dominierenden Kostenfaktor — hier ist die Sicherheitswette nur noch dann sinnvoll, wenn die eigene Analyse eine extrem hohe Wahrscheinlichkeit für den abgesicherten Ausgang ergibt.
Die Kombination beider Wettarten ist ebenfalls eine Option: Du platzierst den Haupteinsatz als Draw No Bet auf den Favoriten und einen kleineren Einsatz als reine Remis-Wette. Wenn der Favorit gewinnt, gewinnst du die Hauptwette. Wenn das Spiel unentschieden endet, gewinnst du die Remis-Wette und bekommst den Haupteinsatz zurück. Wenn der Außenseiter gewinnt, verlierst du beides — aber dieses Szenario ist bei einem klaren Favoriten die unwahrscheinlichste Variante.
Fazit
Doppelte Chance und Draw No Bet sind keine Wetten für Feiglinge — sie sind Werkzeuge für Spieler, die Risiko und Ertrag bewusst abwägen. Die Doppelte Chance bietet maximale Sicherheit bei minimaler Quote. Draw No Bet bietet einen Mittelweg zwischen Sicherheit und Rendite. Beide haben ihren Platz im Repertoire — wenn man weiß, wann man sie einsetzt.
Weniger Risiko, niedrigere Quote — aber mehr Schlaf. Für den analytischen Spieler, der langfristig denkt und Varianz als Feind betrachtet, sind Sicherheitswetten keine Notlösung, sondern eine rationale Strategie.